Interview mit der Gründerin Anita Scheiba

Vom DIY Rezeptbuch zur fertigen Kosmetiklinie

Wann hast Du The Glow gegründet und wie kam es dazu?

Ich habe vor etwa 13 Jahren damit begonnen, meine Kosmetik selbst anzurühren, in erster Linie um meine eigenen Hautprobleme in den Griff zu bekommen. Ich war damals noch Journalistin und TV Producerin. Stress, unausgewogene Ernährung und die falschen Pflegeprodukte ließen meine Haut verrückt spielen. Am Ende hat nur eins wirklich geholfen: eine komplett naturbelassene, minimalistische Pflege. Ich habe dann eigene Rezepte entwickelt und erhielt 2014 einen Buchvertrag mit dem GU Verlag für ein Naturkosmetik Rezeptbuch, das wir The Glow nannten.
Damit war der Grundstein gelegt. Passend zum Buch habe ich den gleichnamigen Webshop gegründet, der Öle, Hydrolate und Pflanzenbuttern in Bioqualität und in Glasgebinden anbot. Ich bekam aber immer mehr Anfragen von Kundinnen, die meine Rezepte aus den Büchern fertig angerührt kaufen wollten. So kam es zu der Idee, eine eigene Kosmetiklinie auf den Markt zu bringen.

Was ist die Philosophie hinter der Marke?

The Glow ist im Grunde ein minimalistischer Hautpflege-Baukasten: es gibt nur wenige Produkte, man kann sie aber mischen und miteinander kombinieren, um jedes Hautbedürfnis abzudecken. DIY light, mit anderen Worten. Die Haut ist ein lebendes, atmendes Organ. Sie hat nicht jeden Tag die gleichen Bedürfnisse. Mal ist sie eher trocken, mal empfindlich, mal neigt sie zu Entzündungen. Um jedes Bedürfnis zu behandeln, bräuchte man Dutzende von Produkten, was für viele Frauen die Realität ist. Mit The Glow braucht man nur eine Handvoll Produkte, diese  decken alle Bedürfnisse ab. Unsere Produkte enthalten zwar nur das Minimum an Inhaltsstoffen, aber dafür die besten und reinsten.

Was ist das besondere an Deinen Produkten und was unterscheidet sie von anderer Bio-Kosmetik?

Mein Anspruch war es, die reinste Kosmetik auf dem Markt zu kreieren – radically clean war dabei der Leitsatz. Jeder einzelne Rohstoff soll die beste Qualität haben, die es gibt. Was bedeutet, dass alle Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau oder sogar aus Wildsammlung stammen. An Stelle von Wasser verwenden wir Bio-Hydrolate, die noch die Wirkstoffe ihrer Stammpflanzen enthalten. Synthetische Wirkstoffe wie Retinol oder Hyaluronsäure ersetzen wir durch botanische Alternativen, die mindestens genau so gut, aber viel milder wirken und die Haut weniger reizen.

Außerdem sind die Produkte miteinander kombinierbar und multifunktional. Allein der Wonderbalm ersetzt zehn verschiedene andere Produkte, so pflegt man die Haut mit einer extrem reduzierten Anzahl an reinen pflanzlichen Inhaltsstoffen und braucht dazu nur einen kleinen Glastiegel im Bad.

Nicht zuletzt finde ich auch den Preispunkt sehr wichtig: die Inhaltsstoffe und der Look sind luxuriös, der Preis aber fair. Wirklich reine Naturkosmetik soll kein Privileg für einige wenige, sondern für alle Frauen leistbar sein

Wie arbeitest Du, wenn Du Produkte entwickelst?

Ich denke, dass wir es bei der Hautpflege oft ein bisschen zu gut meinen, nach dem Motto: viel hilft viel. Meine Produkte und Rezepte entwickle ich genau anders herum: weniger ist mehr. Eine anfangs lange Liste von möglichen Rohstoffen streiche ich immer weiter zusammen, bis nur noch die besten und wirkungsvollsten in ihrer Kategorie übrig sind.
Ich versuche auch, quer zu denken, um Inhaltsstoffe zu umgehen. So habe ich zum Beispiel bewusst keine klassische Creme im Sortiment, da diese naturgemäß sehr viele Inhaltsstoffe enthält. Eine Creme besteht aus einer Wasser- und einer Ölphase, die sich nur dauerhaft verbinden, wenn man Emulgatoren und diverse andere Füllstoffe hinzufügt. Stattdessen setze ich auf Layering: die Feuchtigkeit wird in Form der Floral Essence zuerst aufgetragen, darüber wird das Öl einmassiert. So kann jeder das Verhältnis von Feuchtigkeit zu Rückfettung selbst festlegen und gibt der Haut damit immer genau das, was sie gerade braucht. Fertige Cremes sind im Prinzip Kosmetik von der Stange, mit den verschiedenen Produkt-Bausteinen unserer Linie erschafft sich jede Kundin ihre eigene ‚Haut Couture‘.

Was magst Du an Deinem Job am liebsten?

Neue, spannende pflanzliche Rohstoffe aufspüren und daraus Rezepte zu entwickeln ist das absolute Highlight. Ich stoße immer wieder an die Grenzen des Machbaren, weil ich uns selbst so viele Grundsätze auferlegt habe: keine Synthetik, alles kommt direkt von der Pflanze, Rohstoffe sollen wann immer möglich aus Fair Trade Projekten oder Frauenkooperativen kommen. Das stellt einen bei der Herstellung und im Sourcing oft vor große Herausforderungen. Aber wenn man die überwinden konnte, ist es wirklich das beste Gefühl! Ich liebe es aber auch sehr, mit den Kunden Kontakt zu haben. Ich bekomme häufig Mails von Frauen, die auf eine komplett natürliche Pflege umstellen wollen oder Problemhaut haben. Gemeinsam erarbeiten wir dann eine naturbelassene Pflegeroutine und das positive Feedback macht mich sehr glücklich.

Die Story vom Anfang bis heute

Februar 2015

„The Glow – Naturkosmetik Selbermachen“ erscheint beim GU Verlag und wird kurz darauf zum Bestseller. Das Buch wird in mehrere Sprachen übersetzt

April 2015

Die The Glow Sendung geht beim Frauensender sixx on air

Mai 2015

Launch des The Glow Webshops mit 82 Rohstoffen und Sets zum Naturkosmetik Selbermachen

Februar 2017

Ein neues Buch erscheint: The Glow Code, ein Rezeptbuch und Ratgeber für ganzheitliche Schönheit

Sommer 2018

Die Arbeit an der fertigen Kosmetiklinie beginnt!

April 2019

Relaunch des Webshops mit einer eigenen Kosmetiklinie, bestehend aus fünf Produkten

September 2019

Das dritte Buch der Reihe erscheint: Easy Glow – Naturkosmetik zum selber machen mit nur drei Zutaten

November 2020

Die The Glow Box kommt auf den Markt